Gemeinsam unterwegs: Selbstvertreter und Nahverkehr machen Fahrpläne einfacher verständlich
Allein mit Bus und Bahn zu fahren, ist für viele Menschen mit Behinderung wichtig – zum Beispiel, weil sie keinen Führerschein haben. Es bedeutet mehr Selbstständigkeit und Bewegungsfreiheit. Doch oft gibt es Hindernisse: Fahrpläne sind zu kleingeschrieben, unübersichtlich oder schwer zu verstehen. Das macht das Reisen schwierig.
Deshalb haben sich die Selbstvertreter unserer drei Lebenshilfe-Organisationen mit dem Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) zusammengetan. Ihr Ziel: Fahrpläne gemeinsam so gestalten, dass sie alle verstehen können – damit jede und jeder möglichst selbstständig mit dem Bus oder Zug fahren kann.
In mehreren Gesprächen mit Christina Franz, der Leiterin des ZNAS, erklärten die Selbstvertreter, was für sie schwierig ist – und was besser gemacht werden kann. Bei einer gemeinsamen Busfahrt zeigten sie, wo es im Alltag Probleme gibt: Schilder, die man kaum lesen kann. Fahrpläne, die nicht verständlich sind. Haltestellen, an denen man nicht weiß, wo man aussteigen muss. All diese Erfahrungen wurden gesammelt – und in neue Ideen für bessere Fahrpläne verwandelt.
Thorsten, einer der Selbstvertreter sagte: „Ich habe die Fahrpläne oft nicht verstanden. Ich will aber alleine fahren können. Jetzt wird alles einfacher. Das ist gut.“
Für die Fahrpläne geplant sind nun:
- eine größere, gut lesbare Schrift
- ein klares Fab-Leit-System
- zusätzliche Symbole für wichtige Haltestellen wie Schwimmbad, Museum usw.
- eine barrierefreie App
„Das Projekt zeigt, wie Inklusion ganz einfach im Alltag gelingen kann – gemeinsam und auf Augenhöhe“, sagte Sabine Reithmaier, die Leiterin der Offenen Behindertenarbeit (OBA).
Sie hat die Selbstvertreter bei dem Projekt begleitet.
Wir sagen Danke! An das ZNAS, den Landkreis Amberg-Sulzbach und alle Beteiligten – für diesen wichtigen Schritt zu mehr Barrierefreiheit und Teilhabe im öffentlichen Nahverkehr!
Zum Hintergrund:
Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2024 forderten die Selbstvertreter unter anderem: gesehen werden, mitbestimmen, Barrieren abbauen. Dafür suchten sie Partner – und fanden sie unter anderem im ZNAS.